An der Nordspitze von Lanzarote fällt der Risco de Famara senkrecht ins Meer, und genau an dieser Kante hat jemand ein Fenster in den Fels geschlagen: den Mirador del Río. Direkt an der Glasscheibe, mit dem Abgrund darunter, liegt La Graciosa mit dem restlichen Chinijo-Archipel zum Greifen nah vor dir.
Der Aussichtspunkt steht auf dem Gelände der alten Batería del Río, einer Artilleriestellung aus dem 19. Jahrhundert, die die Meerenge zwischen Lanzarote und La Graciosa überwachen sollte. 1973 verwandelte César Manrique den Bunker in eines seiner Centros de Arte, Cultura y Turismo: ein Bauwerk, das man von außen kaum sieht, in den Fels gegraben, mit geschwungenen Räumen aus Vulkangestein und einem riesigen Fenster, das sich zur Leere hin öffnet.
Innen erinnert nichts an einen gewöhnlichen Aussichtspunkt: dämmrige Gänge, eine Kuppel, die an den Krater eines Vulkans erinnert, und dann plötzlich Glas und mehrere hundert Meter Fall bis zum Meer. Diese Architektur ist so gedacht, dass die Landschaft spricht, nicht das Gebäude.
Auf der anderen Seite der Scheibe liegt El Río, die türkisfarbene Meerenge zwischen Lanzarote und La Graciosa, mit seinem Dorf aus Sandstraßen, Caleta del Sebo, das direkt unter dir ausgebreitet liegt. Dahinter ragen Montaña Clara, Alegranza sowie der Roque del Este und der Roque del Oeste auf: das Chinijo-Archipel, das als größtes Meeresschutzgebiet Europas gilt.

Es ist einer der wenigen Orte auf den Kanaren, an dem man eine ganze Insel mit einem Blick erfasst: Die Farbe des Wassers ändert sich mit Licht und Strömung, und an einem klaren Tag zeichnet sich sogar die Silhouette von Fuerteventura im Süden ab.
Der Mirador liegt an der Straße LZ-10, zwischen den Dörfern Ye und Haría, ganz im Norden der Insel. Kein Bus fährt bis vor die Tür, mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Anreise also unpraktisch — realistisch sind ein Mietwagen oder eine organisierte Tour, die den Stopp schon einschließt.
Am besten früh morgens hinfahren: Das seitliche Licht bringt die Farbe des Wassers am besten zur Geltung, und da der Mirador ein fester Stopp der Reisebusse ist, füllt er sich ab dem späten Vormittag. Auf der Straße kann kräftiger Wind stehen, also in den Kurven am Steilhang lieber langsam fahren.
Der Mirador del Río kostet Eintritt und wird von den Centros de Arte, Cultura y Turismo de Lanzarote (CACT) verwaltet, derselben Institution, die auch Timanfaya, die Jameos del Agua und die Cueva de los Verdes betreibt. Preis und Öffnungszeiten ändern sich je nach Saison — am besten vorab auf der offiziellen CACT-Website nachsehen. Bei einer Ausflugsbuchung ist der Eintritt meist schon inklusive.
Wer diese Strecke nicht selbst fahren möchte: Das Beste von Lanzarote an einem Tag deckt in 9 Stunden Timanfaya, die Cueva de los Verdes, die Jameos del Agua und einen Stopp an den Nordklippen mit Blick auf La Graciosa ab, dazu Haría und eine Weinprobe in La Geria: 85€ pro Erwachsenem, 50€ pro Kind, mit spanisch- und englischsprachigem Guide und Hotelabholung.
Die andere Seite der Postkarte ist natürlich, selbst mit dem Boot nach La Graciosa überzusetzen: Der Katamaran nach La Graciosa ab Lanzarote fährt an der Küste entlang, mit Mittagessen an Bord und freier Zeit zum Schwimmen und Schnorcheln an den Stränden, 6 Stunden für 69€ pro Erwachsenem und 40€ pro Kind, Abholung inklusive.

Wie viel kostet der Eintritt zum Mirador del Río? Es ist ein kostenpflichtiges Ticket, verwaltet vom CACT, dessen Preis sich je nach Saison ändert; prüfe den aktuellen Preis vorab auf der offiziellen Website oder buche ihn direkt als Teil eines Ausflugs.
Kann man La Graciosa sehen, ohne Eintritt zu zahlen? Die Straße und die nahen Aussichtspunkte bei Ye bieten von außen schon einen guten Blick auf die Meerenge; das volle Panorama durch Manriques Fenster gibt es aber nur mit Ticket.
Wie viel Zeit sollte man für den Besuch einplanen? 30-45 Minuten reichen, um die Räume zu durchqueren und die Aussicht in Ruhe zu genießen, ohne die Anfahrt vom Süden der Insel mitzurechnen.
Bleibst du im Norden? Verpasse nicht die Jameos del Agua und die Cueva de los Verdes, zwei weitere Werke von César Manrique ganz in der Nähe, und entdecke, was man auf Lanzarote unternehmen kann oder alle unsere Ausflüge auf der Insel.

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